Radikale „Seitenwende“ bei der taz

Die Transformation der Medienbranche stand am 3. März 2026 beim PresseClub Braunschweig im Mittelpunkt: Barbara Junge, eine der drei Chefredakteurinnen der taz – die tageszeitung, war bei uns zu Gast und sprach im Haus der Wissenschaft Braunschweig über den radikalen Strategiewandel ihres Hauses. 60 Mitglieder lauschten ihren Worten und diskutierten im Anschluss über die Chancen und Risiken des Wandels.

Seit 17. Oktober 2025 hatte die taz ihre werktägliche gedruckte Ausgabe eingestellt, um sich auf digitale Inhalte zu konzentrieren. Die tägliche taz – inklusive der bekannten Seite 1 – erscheint seither im digitalen Format. Gleichzeitig blieb die „wochentaz“ als gedruckte Wochenzeitung bestehen.

Es war ein mutiger Schritt, mit dem die Zeitung auf den veränderten Medienkonsum reagierte. Ziel war es, die wirtschaftliche Zukunft der überregionalen Marke zu sichern und ihre Reichweite in einer zunehmend digitalen Welt auszubauen.

Barbara Junge gab uns spannende Einblicke in die Hintergründe dieser Entscheidung und berichtete von ersten Erfahrungen nach der Umstellung. So sei die Aboauflage im Vergleich zum Vorjahr nur um 10 Prozent gesunken. Im taz-Wirtschaftsplan hatte man mit weitaus höheren Auflageverlusten gerechnet. Und bei der Wochenendausgabe steigen gar die Abo- und Verkaufszahlen.

Ihr Erfolgsgeheimnis: radikale Transparenz und Kommunikation mit Leser:Innen und Mitarbeitern, telefonische Helpdesks für Leserinnen, ErklärTour-Formate durch Deutschland, Kundenbindung radikal neu denken.

„Viele dieser ersten Erfahrungen könnten auch für Regionalzeitungen hilfreich sein“, formulierte Junge vorsichtig.

Die neue taz-Kombi aus digital unter der Woche und Print am Wochenende dürfte in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle im Journalismus spielen.

Ein Abend, der zeigte: Transformation – im taz-Sprech Seitenwende genannt – ist kein Schlagwort, sondern konkrete strategische Arbeit an der Zukunft des Journalismus.

Foto: Peter Sierigk